ERINNERUNGEN NORDSTRAND
- Pixelanimo

- 19. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Ein Jahr ist es nun bald schon wieder her, als ich dieses Foto am Kap Arkona machte. An jenem Abend sah es nach einem vielversprechenden Sonnenuntergang aus und ich radelte von Putgarten übers Feld zum Küstenschutzwald, um zu dem Teil des wunderschönen Nordstrands zu kommen, welchen man nur per Fußmarsch oder Fahrrad erreicht.
Dieser wilde Strandabschnitt ist immer wieder anders schön, weil starke Stürme und Strömungen ihn formen und verändern. Als ich 2022 zum ersten Mal dort war, gab es nur vereinzelt große Steine und einen makellosen, feinen, sehr hellen Sandstrand. Anfang 2024 haben mächtige Winterstürme dann alles umgewandelt und als ich im Sommer wieder da war, traute ich meinen Augen nicht, der ganze Sand war komplett weg an diesem Abschnitt und man musste locker 250 m über die Steine „klettern“, um wieder Ostseesand unter den Füßen zu haben. Im letzten Sommer war er dann an einigen Stellen schon wieder ganz seicht zurück und so baute ich am auserwählten, lauen Hochsommerabend dort meine Kamera auf, um diesen wunderbaren Spot im weichen Licht des Sonnenuntergangs zu fotografieren. Eigentlich hatte ich mir ehrlich gesagt etwas mehr „Lametta“ erwartet, machte deshalb auch nur wenige Bilder und saß dann lieber noch auf den Steinen, um einfach nur versonnen aufs Meer zu schauen. So verschwanden die Bilder dann auch erst einmal auf meiner Festplatte, da ich anderen, vermeintlich schöneren Aufnahmen, den Vorzug gab.
Die Monate vergingen und als ich dann zum Jahreswechsel mit meiner Tochter und unserem Hund einen Ausflug zu unserem Lieblingsfamilienstrand machte, wir genau dort hinliefen, wo viele Monate zuvor dieses Foto entstand, waren wir komplett sprachlos. Wieder waren die Winterstürme am Werk und hatten den Sand nach zwei Jahren endlich wieder zurückgespült. Ein Großteil der Steine war komplett weg und wieder von Sand bedeckt. Was müssen das doch für riesige Mengen Sand sein, allein wenn man die Größe der Steine bedenkt. Es war einfach so unglaublich schön anzusehen. Dennoch war ich traurig und dachte, nun ist der Sand wieder da und mein Mann ist weg.
Plötzlich wurde ein fast aussortiertes Foto vom letzten Sommer zur ganz besonderen Erinnerung an unsere gemeinsame Familienzeit an diesem Ort über viele Jahre hinweg…mit und ohne Sand.
Aus sechs Fußspuren und vier Hundepfötchen, wurden vier Fußspuren und vier Hundepfötchen und wenn demnächst auch meine "kleine" Tochter erwachsen sein wird, werden die Hundepfötchen neben zwei Fußspuren in der Überzahl sein. Daran möchte ich noch gar nicht denken.
So ist es mit dem Lauf der Zeit und mit den nicht immer schönen Überraschungen, welche das Leben für einen bereit hält. Deshalb schaffen wir es in diesem Sommer nicht auf unserer geliebten Insel Rügen den Sommerurlaub zu verbringen und fahren an die Nordsee, was mir gerade fast nochmal das Herz bricht.
Ich habe lange überlegt, ob ich das Bild fertig mache und diesen Text so veröffentlichen sollte oder lieber nicht. Aber ich schreibe hier nun schon so lange meine ganz persönlichen Texte und neben all der Freude, dem Seelenfrieden, der Aufregung, kleinen Unheimlichkeiten und vielen Glücksmomenten, kann es eben auch mal Traurigkeit geben, welche im Nachgang plötzlich im Kontext mit einem Foto steht, welches noch im seinerzeit schon fragilen Glück aufgenommen wurde.
...und somit zu einem ganz besonderen Bild für mich wurde, auch ohne viel "Lametta".




Kommentare